Interview mit dem Autor Hermann Alexander Beyelerhermann_6

Eine unglaubliche Schenkung! Hermann Alexander Beyeler will den Bozzetto zurück in den Vatikan bringen „Der Bozzetto ist nicht dort, wo er hingehört.“

F: Sie sind Galerist. Sie verkaufen Gemälde. Warum wollen sie den Bozzetto Michelangelos unbedingt verschenken?
A: Der Bozzetto ist „kein Gemälde, wie jedes andere“. Und mal ehrlich: würden Sie sich die Darstellung eines solchen „Infernos voller Verzweiflung“ wirklich in´s Wohnzimmer hängen wollen?

F: Nein, natürlich nicht. Aber es handelt sich ja wohl um ein wertvolles Gemälde.
A: Über den materiellen Wert des Bozzetto habe ich nie nachgedacht. Darum geht es in dieser Sache auch gar nicht. Wer so denkt, der hat schon verloren und ist damit ab sofort nur noch der Gefangene seiner eigenen Gier. Der Bozzetto löst nämlich genau diese Gier nach „immer mehr“ aus. Es ist schwer, sich dagegen zu wehren, wenn die Millionen zu winken scheinen. Habgier ist zu Recht eine Todsünde.

F: Unbestritten. Aber warum ist der Bozzetto so gefährlich?
A: Es geht darum, was dieses Bild verkörpert und was bei seiner Erschaffung hineingekommen ist: die Inkarnation des „Guten“ wie die des „Bösen“. Profan ausgedrückt: im Bozzetto wohnt der Teufel neben Gott.

F: Woher wissen Sie alle diese Dinge um die Magie des Bozzetto?
A: Aus eigener und vor allem der „Erfahrung“ anderer. Mein Freund Gerd zum Beispiel, beschäftigt sich damit schon mehr als ein viertel Jahrhundert! Auch ich habe jahrelang recherchiert. Alles in allem war das ein langwieriges und sehr kompliziertes Puzzle. Mit viel Glück und viel Fleiß haben wir einige markante Stücke davon gefunden und zusammensetzen können. Der Weg des Bozzetto quer durch die Geschichte Europas ist ein langer Weg voller ungeheuerlicher Vorkommnisse. Alleine, was wir über die Vorkommnisse nach 1944 herausgefunden haben, ist ziemlich beeindrucken – im negativen Sinne. Wenn Sie so wollen, ist das auch eine ziemlich „blutige“ Spur.

F: Das klingt wirklich nicht gut. Haben Sie eigentlich keine Angst vor dem Bozzetto? A: Nein, (lacht) wir sind ja die Guten – aber berühren würde ich ihn nie. F: Wieso sagen Sie eigentlich immer „Wir“?
A: Ich bin zum Glück nicht alleine in dieser heiklen Mission unterwegs. Es gibt ein paar Leute um mich herum, die genau wie ich „Bescheid wissen“ und die nur das eine Ziel haben: dem Bozzetto seine böse Macht zu nehmen.

F: Wissen Sie eigentlich, wo er sich derzeit befindet?beyeler
A: Natürlich. Der Bozzetto treibt ja nach wie vor sein Unwesen mit der Gier anderer Leute. Die leben gefährlich. Diese armen Teufel wollen wir letztendlich schützen – was leider ziemlich kompliziert ist, weil sie sich der Erkenntnis verweigern, dass der Bozzetto viele seiner Vorbesitzer in den Ruin oder den Wahnsinn getrieben hat. Und in den Tod.

F: Das wäre ja auch eine schreckliche Erkenntnis!
A: Aber sie ist wahr – leider.

F: Wer sind denn die heutigen Besitzer?
A: Ach, das wissen nur die, die es angeht, und das ist gut so. Der Bozzetto ist jedenfalls nicht dort, wo er hingehört: im Vatikan.

F: Warum sind Sie eigentlich so sicher, dass der Bozzetto im Vatikan seine Gefährlichkeit verlieren wird?
A: Ganz einfach: erstens ist dort ist sein angestammter Platz. Von dort kommt er her, und dort gehört er wieder hin.

F: …und zweitens?
A: Zweitens müsste ich dann Fakten aus dem Roman verraten.

F: und das wollen Sie nicht?
A: Natürlich nicht. Ich kann ihnen ja hier nicht den ganzen Roman erzählen! Aber nur so viel: wir wissen, dass der Bozzetto vor über 450 Jahren dort im Vatikan zur Pilgerstätte wurde und Wunder vollbracht hat.

F: Und Sie sind fest entschlossen, ihn nach Rom zurückbringen?
A: Ja, in den Vatikan. Das will ich und das werde ich auch – so bald wie möglich.

F: Welche Rolle spielt es eigentlich, dass Sie einer der legitimen Nachfahren der russischen Zarenfamilie sein sollen?
A: Gar keine. Aber die Tatsache, dass das so ist, hat mir vor einiger Zeit eine Tür aufgestoßen, die sonst wahrscheinlich für immer verschlossen geblieben wäre.

F: Dem Bozzetto wird auch die „Macht schwarzer Magie“ nachgesagt. Was wissen Sie davon?
A: Auch im Bozzetto steckt zweifelsfrei „die Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft“– oder war das umgekehrt? (Lacht.) Aber ernsthaft: Ja, im Kampf um den Bozzetto gibt es nicht nur gierige, sondern auch machthungrige Menschen – im bösesten Sinne!

F: Spielen Sie damit auf die Vorgänge nach der Entdeckung des Bozzetto durch die Nazis in Paris an? Zum „Endsieg“ des sogenannten Dritten Reichs hat ihnen der Bozzetto ja nicht verholfen!
A: Nein, zum Glück nicht – obwohl es ja immer noch schlimmer kommen kann.

F: Das verstehe ich nicht. Wie meinen Sie das?
A: Wahrscheinlich haben Sie auch noch nie etwas von der Idee Himmlers zum „Vierten Reich“ gehört – nein? Sie haben den Ausgang der Europawahl ja gesehen, warten Sie nur ab, wie das weitergeht. Dann wird uns deutlich vor Augen geführt werden, was damit gemeint ist. Wenn wir nicht wachsam sind, werden die ideologischen Nachfolger dieser Truppe nämlich genau dieses Ziel schneller erreicht haben, als uns allen lieb sein kann.

F: Dann sehen wir uns wieder?
A: Gerne – wenn Ihnen das Thema bis dahin nicht zu heiß geworden ist!