Zu Beginn der 9. Stunde sah sich der liebe Gott noch einmal sehr genau an, wie der Löwen König über sein Volk regierte. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass es besser wäre, ihm – außer der Löwen Königin – noch einen weiteren Berater zur Seite zu stellen. Sicher war sicher. Und außerdem braucht natürlich jeder gute Herrscher gute Berater. Denn auch ein König kann schließlich nicht alles wissen, was man so wissen muss, um vernünftig regieren zu können.

Deshalb hat er beschlossen, ein mächtiges Tier zu erschaffen, das auch dem mutigsten Löwen Respekt einflößen sollte.

Klug sollte es sein – und vor allem deutlich größer, als der Löwe selbst sollte es werden. Voller Eifer begann er mit seiner Arbeit. Und da er zuerst das Gehirn des Tieres schuf, wurde dies riesengroß. So groß, wie man sich ein Gehirn nur vorstellen kann! Dann bastelte er den dazugehörigen Kopf um das Gehirn drum herum und erst danach einen riesengroßen Körper.

Als der liebe Gott schließlich damit fertig war, musste er feststellen, dass ihm das ganze Tier doch ziemlich groß geraten war. Deshalb ließ er den mächtigen Leib, den er dem Riesentier dazu zwangsläufig geben musste zum Ende des Rumpfes hin geschickt wieder sehr schmal auslaufen. Wie wir mittlerweile wissen ist der liebe Gott bei seiner Arbeit ja auch immer sehr kreativ.

Aber so richtig genutzt hat das auch nichts, denn damit fing der Ärger jetzt erst richtig an! Da das ungeheuer große Wesen ja auch laufen sollte, musste der liebe Gott ihm sooo große Füße konstruieren, dass selbst die ja schon wirklich sehr großen Stampfer der Elefanten wie kleine Holzlöffelchen wirkten.

Nein, nein, so konnte das nun bestimmt nicht bleiben, entschied er schließlich. „Das Tier wird so viel zu groß! Die ruinieren mir auf der Erde dann noch alles – und die anderen Tiere werden auch nur Angst vor ihnen haben!“ Dabei kratzte er sich nachdenklich am Kopf – genau so, wie wir es auch tun, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Denn nun war guter Rat wirklich teuer. Irgendetwas musste ihm einfallen. Einmal angefangen, musste auch der liebe Gott sein Werk zu Ende bringen. Mitten in der Arbeit aufhören? Nein, das macht man nicht – jeder, auch der liebe Gott hört erst dann auf zu arbeiten, wenn alles fertig ist.

Weil aber der liebe Gott auch von Physik eine ganze Menge versteht und deshalb wusste, dass im Wasser auch Schwergewichte zu Federgewichten werden, hatte er plötzlich doch eine rettende Idee: schwuppdiwupp verpasste er dem großen Viech statt der viel zu großen Füße ein paar kleine Flossen, steckte auf das schmale Ende des riesigen Leibes eine ansehnliche Schwanzflosse, brachte dann das neu geschaffene Tier in ein tiefes Wasser, in dem es sich leichter fortbewegen konnte, und – fertig war der erste WAL!

Auch wenn der liebe Gott mit der Erschaffung der Wale so seine lieb Not gehabt hatte, waren die schließlich genauso geworden, wie er es sich immer vorgestellt hatte: intelligent, gerecht, sehr kommunikativ und imposant zugleich.

Da die Wale aber auch sehr gute Sänger sind, begann der erste Wal sogleich im Meer zu singen. Als die anderen Tiere das hörten, wollten sie natürlich auch so gut singen können, wie die Wale. Das sagten sie dann den Fischen. Die Fische sagten es wiederum den Walen. Darauf kamen die Wale an den Strand und lehrten den anderen Tieren das Singen und vor allem aber auch, was die einzelnen Töne bedeuten. Seitdem können sich die Wale mit allen Tieren verständigen und weil sie wie gesagt sehr klug sind, helfen sie ihnen mit ihrem melodischen Singsang auch heute noch.

Zum richtigen Berater für den Löwenkönig aber, sind die Wale nie geworden. Das liegt vor allem daran, dass die Wale später in die kalten Gewässer der großen Meere gezogen sind, während die Löwen es immer vorgezogen haben, lieber in der Sonne Afrikas vor sich hin dösen.