Das Tierreich bestand nun schon aus einer beträchtlichen Anzahl von Tieren. Deshalb kam der liebe Gott in der 8. Stunde auf die Idee, einen König für die Tiere zu schaffen – den LÖWEN.

Löwen sind wunderschöne mächtige Großkatzen mit langer Mähne und stolzem Gang. Leider stellte der liebe Gott sehr schnell fest, dass der Löwe sich selbst bald wie ein allwissendes gottähnliches Wesen aufführte. Seine Arroganz war für die übrigen Tiere kaum zu ertragen und diese fürchteten ihn nur wegen seiner Kraft und seinen scharfen Krallen und nicht, wie es sich für einen guten König gehören würde, wegen seiner Weisheit und seinem Großmut.

Als sich der Löwe gerade wieder einmal grässlich daneben benommen hatte und er sich aufführte, als sei er gänzlich unverwundbar. Nachdem selbst der Drachen sich ihm unterlegen fühlte, obwohl er doch wirklich viel mehr Kraft hatte, als der Löwe – beschloss der liebe Gott diesem eine ordentliche Lektion zu verpassen und schickte den in einen langen langen Traum.

Der Löwe, der ja nicht wusste, dass er nur träumt, befand sich mit einem mal in einer für ihn wunderschönen Landschaft mit hohen Gräsern, die eine perfekte Tarnung zur Jagd boten. Und zu jagen gab es mehr, als genug! Antilopen, Zebras und große saftige Straußenvögel, (die es ja alle eigentlich noch gar nicht gab!) in Hülle und Fülle, wie im Schlaraffenland. Aber auch andere Löwen bevölkerten die Savanne, wie der Schläfer entsetzt feststellen musste und jetzt doch zum ersten Mal seine Einmaligkeit ein bisschen in Frage stellte. „Bin ich etwa doch nicht so einzigartig in der Welt?“ zweifelte unser Löwe schon ein bisschen.

Aber ehe er sich versah wurde ihm die zweite Lektion erteilt: ein krachender Donnerlärm, wie der Knall einer Peitsche riss ihn plötzlich aus seinen Selbstzweifeln. Vorsichtig teilte er mit seiner Pfote das hohe Gras und peilte betroffen in Richtung des unbekannten Knalles. Was er dort sah, brach ihm schier das Herz: ein anderer Löwe, so schön, so groß und so stark, wie er, lag dort stöhnend vor Schmerz und blutete – kaum 20 Meter vor ihm.

Aber damit noch nicht genug. Ein kleines auf zwei Beinen stehendes mickriges weißes Tier lief auf den Löwenbruder zu, hielt ihm einen ganz dünnen schwarzen Stecken an den Kopf, wieder gab es diesen schrecklichen Knall – und der Bruder lag nun völlig regungslos neben ihm im Gras.

Da wollte auch der König der Tiere so schnell, wie es ging vor diesem kleinen Ungeheuer zu fliehen! Aber plötzlich konnte er gar nicht mehr weglaufen. Der riesige Schrecken hatte ihn vollkommen gelähmt! Er war wie versteinert und unfähig, sich auch nur zu bewegen.

Und als das kleine weiße Ungetüm auch noch mit dem schwarzen Stecken auf ihn selbst zeigte, glaubte der Löwe, sein letztes Stündlein sei gekommen.

Da hat ihn aber der liebe Gott dann schnell aus seinem tiefen Schlaf wieder aufgeweckt. Er hatte ihn ja nur ins Land der Träume geschickt – aber auch Millionen von Jahre in die Zukunft. Denn böse Menschen, die nur aus Spaß auf harmlose Tiere schießen, hat es zu dieser Zeit in Wirklichkeit ja noch gar nicht gegeben!

Der Schock, den der Löwe in seinem furchtbaren Traum erlebt hatte, aber nur Gutes bewirkt. Der Löwe benahm sich fortan, wie ein perfekter König: klug, aber nie, um damit andere zu bevormunden, stolz, aber nie zu stolz, um anderen zu helfen. Stark, aber nie, um mit dieser Stärke seine Gegner in die Knie zu zwingen. Mächtig, aber nicht, um der Macht willen, sondern weil man Macht braucht, um gerecht regieren zu können.

Kurzum: aus dem Löwen war mit einem Mal ein wirklich toller König geworden.

Wahrscheinlich war das aber auch nur deshalb so, weil er sich eine noch klügere Löwin zur Königin genommen hatte. Denn die hat dann immer aufgepasst, dass der Löwenkönig alles so macht, dass die anderen Tiere auch wirklich gerne von ihm regiert werden wollten. Weil dazu jedes Tier auf ein anderes Tier Rücksicht genommen hat, wurde so ein freundliches und friedliches Miteinander geschaffen. Das hat dann auch wirklich wunderbar gut funktioniert!