Als der liebe Gott zum Anfang der 5. Stunde die VÖGEL zu erschaffen wollte, hatte er zunächst überhaupt keine Lust mehr, zu arbeiten. Warum? Das wusste er selbst nicht so genau. Aber weil er sich ja fest vorgenommen hatte, wirklich den ganzen lieben Tag lang zu Beginn einer jeden Stunde eine neue Tierart zu erschaffen, fing er halt doch mit seiner Arbeit an und erschuf einen Vogel.

Der war raabenschwarz, ziemlich groß und hatte einen gelben Schnabel.

„Ob der wohl fliegen kann?“ fragte sich der liebe Gott selbst, der den Vogel auf den Namen „Rabe“ getauft hatte. Und weil selbst er die Antwort darauf nicht so genau wusste, schuf er vorsichtshalber noch einen zweiten Vogel., Weil der aber schon ziemlich viel kleiner war, als der große Rabe, machte er sich sogleich daran, seine Flügel auszuprobieren. Flugs kletterte er – wenn auch noch etwas ungelenk – auf einen kleinen Zweig und mit ein bisschen Mut segelte er bald davon.

„Donnerwetter!“ murmelte der liebe Gott. „Das geht ja wie geschmiert.“ Und „ratz fatz“ hatte er sich schon den nächsten Vogel ausgedacht. Der war noch ein bisschen kleiner, als der zweite Vogel und hatte dafür ein ziemlich buntes und lustig ausschauendes Federkleid angezogen bekommen.

Das gefiel dem lieben Gott jetzt aber so richtig gut! Und weil er so viel Freude daran hatte, dachte er sich einen Vogel nach dem anderen aus. Einer bunter, als der zuvor! Mal kleckste er einen – wenn der zum Beispiel doch ein bisschen zu grau geraten war – einfach mit einem roten Tupfer Farbe an. Den nächsten verzierte er dann mit blau, oder rosa, gelb, oder grün – wie es ihm gerade einfiel.

Damit hat er sich dann tatsächlich eine ganze Stunde lang beschäftigt – obwohl er doch vorher eigentlich gar keine Lust zur Arbeit gehabt hatte.

Plötzlich schwirrten soo viele Vögel um den verdutzten Raben herum, dass auch er anfing, sich auf seine Federn zu konzentrieren. Und siehe da, auch der Rabe konnte auf einmal fliegen!

Als der liebe Gott das sah, wagte er sich auch an noch größere Vögel heran. Er erdachte sich die mächtigen Adler, die hässlichen – aber sehr nützlichen – Geier und am Schluss die wunderschönen, bunt gefiederten Papageien. Die waren besonders keck und laut. Als sie sahen, dass der Drachen auch fliegen konnte, forderten sie ihn auch gleich zu einem Wettfliegen heraus.

So und jetzt dürft ihr alle mal raten, wer das Wettfliegen gewonnen hat?

Eigentlich hätte es ja ein „Unentschieden“ geben müssen, weil der schwer prustende Drachen und die bunten Papageien alle gleich schnell gewesen waren.

Aber trotzdem hat es am Ende doch einen Sieger gegeben, obwohl darüber unter den Tieren noch lange debattiert worden ist.

Das Schiedsgericht – das aus den Katzen, den Mäusen und den Elefanten bestand – hatte nämlich Speedy mit 2: 1 Stimmen zum Sieger erklärt!

Warum denn das, werdet ihr fragen? Na, die „schnellste Maus der Welt“ war beim Startschuss einfach zusammen mit den Papageien und dem Drachen losgesaust – und eher im Ziel angekommen, als die anderen Teilnehmer.

Die Katzen hatten gegen die Maus gestimmt. Sie fanden das Urteil ungerecht, weil es ja ein „Flugwettbewerb“ gewesen sei. Und Mäuse wären ja schließlich „Fußgänger“. Also hätten die gar nicht mitmachen dürfen. Den anderen war das aber egal. Speedy war der Schnellste. Basta! Und hatte damit das Rennen gewonnen – egal, ob im Flug, oder zu Fuß!

Aber weil sie demokratisch überstimmt worden waren, akzeptierten die Katzen das Urteil der Mehrheit ohne Murren und Knurren – so wie es sich gehört im Leben.