Am Anfang der 4. Stunde erschuf der liebe Gott einen DRACHEN.

Drachen sind richtige Ungetüme, und außerdem noch vieel größer, als die Elefanten. Und – du meine Güte – fliegen können sie auch noch!! Das war fast ein bisschen zu viel für die anderen Tiere.

Das Problem, das der liebe Gott mit dem Drachen hatte war nämlich, dass vor dem alle Tiere Angst hatten. Sogar die großen Elefanten fürchteten sich vor ihm – und außerdem waren sie auch ein bisschen neidisch, weil sie nicht fliegen konnten. Aber stellt euch mal „fliegende Elefanten“ vor – die würden vielleicht komisch aussehen, oder?

Das war alles nicht so gut für den Plan vom lieben Gott. Schließlich sollten die Tiere voreinander keine Angst haben – und schon gar nicht, weil jemand anders aussieht, als man es gewohnt ist.

Aber mit dem Drachen war das wirklich nicht so leicht. Er ja sah ja auch wirklich soo schrecklich aus – mit seinem hässlichen Schuppenpanzer und den großen glühenden Glupschaugen – und aus dem Mund hat er auch so fürchterlich gestunken, dass es kaum zu ertragen war!

Dazu kam, dass der Drachen vor überhaupt nichts Angst hatte. Deswegen hat er auch geglaubt, er könnte und sich sowieso immer aufführen, wie der „Größte“.

Na ja, der liebe Gott hat sich das erst mal eine kleine Weile angeschaut. Als es aber nicht besser wurde mit dem Drachen, hat er sich nachdenklich am Kopf gekratzt: er musste dringend etwas unternehmen, um den Drachen ein bisschen bessere Manieren beibringen.

Ziemlich weit weg vom Dschungel, gab es einen großen, ruhigen See. Dort war es still und einsam und das Wasser so ruhig und so glatt, wie ein Spiegel. Dorthin hat der liebe Gott den Drachen einfach hingezaubert – weit fort von allen anderen Tieren. Da war er dann – der große Drache, der vorher nichts Besseres zu tun wusste, als die anderen Tiere zu erschrecken und zu bedrohen. Jetzt war er alleine und es blieb ihm nichts anderes übrig, als blöd in der Gegend herum zu laufen, denn selbst das Fliegen hat ihm dort keinen Spaß mehr gemacht. Ihm war plötzlich nur noch „ur fad“ zumute!

Gegen Mittag hat der Drache dann einen gewaltigen Durst bekommen. Also ist er zum See gegangen, und dort ein bisschen Wasser trinken. Kaum aber hatte er sich über den siegelglatten See gebeugt, konnte der Drachen im Wasser plötzlich sein eigenes Spiegelbild sehen und musste dabei zum ersten Mal in sein eigenes finsteres Antlitz blicken!

Na, da war aber was los! Ihr glaubt ja gar nicht, wie sehr sich der Drachen dabei erschrocken hat.

Zuerst ist er schnell davon gerannt. Aber dann ist der Drachen doch umgekehrt und hat noch einmal ganz schüchtern in den Spiegel-See hineingeschaut:

„mein Gott“ hat er gesagt, „das bin ja ich selbst! Kein Wunder, dass alle vor mir Angst haben – so, wie ich ausschaue!“

Das hat dem Drachen so sehr zu denken gegeben, dass er beschloss, seinen Frieden mit den übrigen Tieren zu machen. Das hat der liebe Gott natürlich alles mitbekommen und dafür gesorgt, dass der Drache friedlich in den Dschungel zurück kommen konnte.

Und weil er die Fähigkeit besaß, Feuer zu speien, fing er nachts damit an, den übrigen Tieren Licht zu geben. Als die aber merkten, dass der Drachenüberhaupt nichts Böses mehr im Schilde führte und das Feuer sogar eine angenehme Wärme verbreitete, verloren sie auch die Angst vor dem hässlichen Ungetüm.

Sogar die Katzen kamen wieder hervor und machten es sich so richtig kuschelig bequem. Sie lieben es ja, faul in der Wärme herumzuliegen.

Ganz schlau aber waren die Mäuse: als die nämlich merkten, dass Drachen ganz gemütliche Tiere sind, die man nur nicht reizen darf, weil sie sonst ungemütlich werden können, hatten sie großen Spaß dabei, auf den Drachen mitzufliegen. Das ging nämlich wirklich „prima sehr gut“, weil Drachen so groß und Mäuse so klein sind.

Ein paar Mäusen hat das so viel Freude gemacht, dass sie deshalb später vom Drachen gelernt haben, selbst zu fliegen. Mäuse gibt es heute überall auf der ganzen Welt – und die, die Fliegen können, nennt man Fledermäuse!