Die 16. Stunde war die Geburtsstunde der WÖLFE.

Wölfe sind zwar ziemlich gefährliche Raubtiere, aber auch nützliche Jäger des Waldes.

Denn die Jäger und Förster, sorgen in ihrem Wald für dessen Bewohner, damit die Tiere es dort gut haben. Aber sie haben auch dafür zu sorgen, dass kranke und alte Tiere Platz machen für junge und starke Tiere. Das kann man ruhig mit der Aufgabe vergleichen, die die Wölfe früher übernommen hatten. Als geschickte Jäger und Fleischfresser, sorgten damals schon die Wölfe für den naturgemäßen Ausgleich im Wald und auf dem Feld.

Nur mit den Löwen hatten die Wölfe schon bald nach ihrer Erschaffung so ihre Probleme. Denn auch von den Wölfen hat der König der Tiere die Anerkennung seiner Herrschaft gefordert. Wölfe aber können sich nur schwer unterordnen und wollten deshalb kein anderes Tier als ihren König anerkennen.

So kam es sehr bald zu einem Machtkampf zwischen den Wölfen und den Löwen. Und weil sie so unerbittlich zueinander waren, schien bald ein böser Krieg unvermeidbar.

Zum großer Glück der anderen Tiere, waren aber auch die Wölfe sehr klug. Sie wollten nämlich einen Krieg zwischen den verfeindeten Parteien eigentlich vermeiden. Das wollten die Löwen ja auch und deshalb haben sie vereinbart, dass ein Duell die Sache entscheiden sollte. Also schickten die Wölfe ihren größten Wolf in einen Zweikampf mit dem König der Löwen. Der König gegen den stärksten der Wölfe – dann würde man schon sehen…! Es würde ein Kampf um den Thron werden!

Im ersten Morgengrauen hatte das Kräftemessen begonnen, aber als zu Mittag die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hatte, war immer noch kein Sieger in Sicht. Unter der fürchterlichen Gewalt der Tiergladiatoren erbebte die Steppe ständig aufs Neue. Was sich dort vor den Augen aller anderen Tiere abspielte, war nichts anders, als ein Duell auf Leben und Tod!

Auch Blut war bereits auf beiden Seiten geflossen, aber keiner von beiden dachte daran, den Kampf aufzugeben. Es war schrecklich, aber ganz klar: einer der beiden würde den Tod finden müssen, denn nur dann wäre der Kampf zu Ende.

Alle Tiere hielten das Ganze für einen ausgemachten Blödsinn. Aber was konnten sie denn schon alleine gegen die beiden mächtigen Kämpfer ausrichten?

Da hatten die Bienen plötzlich eine Idee!

Blitzschnell formierten sie sich gemeinsam zu einem riesengroßen Schwarm, und fielen wie eine Sturmwolke alle über die so wütend kämpfenden Vierbeiner her. Klug, wie die Bienen waren, hatten sie schnell die empfindlichsten Stellen der beiden herausgefunden, und rammten ihren Stachel beiden ganz fürchterlich in die Nase.

Mit solchen zerstochenen Nasen aber konnte keiner von ihnen mehr weiterkämpfen. Die Nasen vom Löwen und dem Wolf waren nämlich so übel zugerichtet, dass sie ganz angeschwollen waren und sie kaum noch sprechen konnten.

Da es nun mal keinen Sieger gab, wankten die beiden tapferen Recken Arm in Arm aus der Arena.

Aber es war alles gut, denn die anderen Tiere konnten noch hören, wie sich die beiden mit ihren lädierten Nasen und komischer Stimme vereinbart haben, ihre große Welt aufzuteilen.

Und so ist es gekommen, dass die Wölfe nach Norden ausgewandert sind. Dort haben sie dann ihre eigenen Stammesrudel gegründet, damit die sich ihren Leitwolf selbst aussuchen konnten. Das ging dort alles sehr friedlich zu. Denn so richtig böse sind die Wölfe ja gar nicht, wenn man sie nur richtig behandelt. Jedes Kind, das einen Hund hat, weiß das. Denn schließlich ist der Wolf der Stammvater aller Hunde.