Der liebe Gott hatte das Herumtreiben der Tiger und den albernen Machtkampf mit den Löwen mit gerunzelter Stirn verfolgt, denn es hatte ihm gar nicht gefallen.

Die Sonne hatte zu Mittag ihren höchsten Stand erreicht, und so beschloss er, zur Abwechslung wieder einmal etwas ganz besonders schönes zu erschaffen:

die GAZELLEN.

Sie sind springlebendig zwar, aber von sanftem Gemüt, gepaart mit den treuesten Augen der Schöpfungsgeschichte – wenn man von „Bambi“ einmal absieht – aber das sollte ja alles erst ein paar Millionen Jahre später sein. Gazellen sind so grazile, wunderhübsche Geschöpfe. Fast jeder mag sie sehr und viele verlieben sich sogar sofort, wenn sie eine Gazelle nur sehen!

Über die Gazelle und die Liebe gibt es viele Geschichten, die sich die Tiere untereinander erzählen. Einmal hat sich sogar eine Schnecke in eine Gazelle verliebt. Die passen natürlich zusammen, wie die „Faust auf´s Auge“. Aber wenn man sich verliebt, sieht man eben vieles nicht so, wie es wirklich ist. Deswegen sagt man ja auch, dass „Liebe blind macht“!

Der Schnecke war das alles auch völlig egal: „Ich bin das einzige Tier, das sogar ein eigenes Haus hat!“ umgarnte die Schnecke die Gazelle, die trotz aller Verrücktheit der Situation den Worten der verliebten Schnecke gebannt und mit ihrem treuesten Blick lauschte.

„Und jedes Mal, wenn ich wachse, baue ich auch ein neues, größeres Haus!“ setzte die Schnecke noch ein´s oben drauf.

„Da muss du aber noch ganz schön ziemlich sehr viel wachsen, wenn ich da mit dir einziehen soll“ entgegnete die Gazelle ernsthaft, obwohl sie innerlich ganz schön gekichert hat. Aber sie wollte die Schnecke nicht beleidigen, denn jemanden zu lieben ja immer etwas Wunderschönes.

„Oh,“ sagte die Schnecke, „für uns Schnecken ist keine Arbeit zu groß! Wir sind sehr stark! Oder? wer etwa kann sein eigenes Haus außer mir sonst noch tragen?“

„Da magst du recht haben,“ kicherte die Gazelle, „das kann ja noch nicht einmal der Elefant! Und der soll ja der Stärkste überhaupt sein!“

„Siehst du“, sagte da die Schnecke stolz, und blickte der Angebeteten verliebt in die Augen: „dann steht ja unserer Liebe nichts mehr im Weg! Sag, wann also kommst du zu unserem ersten Rendezvous?“

„Na ja, „ soll die Gazelle geantwortet haben, „wenn unser gemeinsames Haus fertig ist – wann denn sonst?“ Sprach´s und verschwand mit einem gewaltigen Satz im tiefen Gras der Savanne.

Dem Drachen, der als nächster um die Gunst der schönen schlanken Gazelle buhlte, soll es nicht viel besser ergangen sein. Als die Gazelle den liebestrunkenen Drachen so richtig schön um den Finger gewickelt hatte, und dem Drachen auch schon ganz gewaltig heiß geworden war, täuschte die Gazelle einen Migräneanfall vor und machte sich dann so schnell, wie sie konnte vom Acker. In Wahrheit wollte sie einfach nicht zugeben, dass sie den Gestank aus dem Drachenmaul überhaupt nicht aushalten konnte.

Nicht besser erging es jedem, der sich in die Gazelle verguckt hatte. Sie hat sie alle wieder verlassen, oder weggeschickt!

Nur einer war gegen die Reize der „schönen Blonden“ völlig immun: der Wal! So oft sie sich auch an den Strand begab, um den Wal herbei zu singen – er ist nie zu ihr gekommen.

Erst lange Zeit später hat sie es dann aufgegeben, an den Strand zu gehen und dem Wal nachzutrauern.

„Soll er doch bleiben, wo der Pfeffer wächst, der „Looser“, der komische, “ soll sie noch gesagt haben – und das, obwohl sie den Wal nie gesehen hatte.