Der Löwe hatte den anderen Tieren aber nicht gesagt, dass die tolle Idee, mit der er das Problem mit den Raupen gelöst hatte, nicht von ihm selbst gekommen war, sondern die Idee von den Walen gestammt hat. Das fand der liebe Gott gar nicht gut. Deshalb hat er beschlossen dem Löwen ein bisschen Konkurrenz zu machen, damit der nicht zu übermütig wird.

Und so erschuf er in der darauf folgenden Stunde die TIGER.

Das sind auch sehr starke und große katzenartige Wesen. Aber die sind noch viel machthungriger, als die Löwen.

Und gernau das wurde dann auch schnell zum Problem für den Löwen. Kaum auf der Erde angekommen, umkreisten bald immer mehr Tiger die Löwen und wollten sie so zu einem Kampf herausfordern. Es war schnell sonnenklar: die Tiger wollten jetzt an die Macht und den Löwen-König vom Thron stoßen. Einer von ihnen sollte „König der Tiere“ sein.
Die übrigen Tiere sahen der Ansammlung von immer mehr Tigern mit großem Argwohn entgegen. Ihnen waren die vielen Tiger gar nicht recht! Sie wollten keinen neuen König. Mit dem alten war schließlich doch soweit alles in Ordnung, denn er ließ sie ja meistens in Ruhe das machen, was sie grad wollten – na ja, mit kleinen Ausnahmen eben. Aber jedem alles Recht zu machen, das konnte sowieso keiner! Also, warum ein neuer König?

Nach einiger Zeit wurde aber auch den Löwen, allen voran dem König, die Sache mit den Tigern langsam unheimlich. Die Sache musste geklärt werden. So viel stand bald fest: das sah ziemlich über aus und roch verdächtig nach Krieg!

Aber Krieg? Das konnte doch auch nicht die richtige Lösung sein. Im Krieg gibt es immer Verletzte – und manchmal auch… na ja, da müsst ihr jetzt nicht drüber nachdenken. Aber irgendwie sahen die Tiger immer ungemütlicher aus. Es wurde langsam zu einer echten Bedrohung für die Tiere. Aber keiner wagte, etwas gegen die Tiger zu unternehmen – auch der Drachen nicht. Er war ja schließlich ganz alleine und die Tiger waren unzählig viele.

Da blieb dem alten König nichts anderes übrig, als sich aufzuraffen und etwas zu unternehmen.
Wohl war ihm dabei nicht und zu gern hätte er die Wale befragt, was zu tun sei, aber die waren weit weg und der Weg dahin war mit Tigern gepflastert. Die würden ihn auch aus dem Hinterhalt angreifen können und viele Tiger wären des Löwen Tod. Das wusste er nur zu genau.

Da der Löwe aber einen Krieg mit allen Mitteln verhindern wollte, beschloss er, die ganze Sache mit den Tiger zu besprechen.

Mutig trat er deshalb ganz alleine den überall herum lauernden Tigern entgegen: „Sagt mal, was wollt ihr Tiger denn eigentlich wirklich?“ fragte er mit fester Stimme in die Menge hinein.

Na, da hob vielleicht ein Gebrüll von der anderen Seite an! Alle auf einmal wollten antworten. Die einen so, die anderen anders. Es war ein großes Tohuwabohu und ein riesen Lärm dazu.

Da zeigte der Löwe, was einen wahren König ausmacht: Autorität!

„Ruhe!“ brüllte er dem Lärm entgegen. „Ruuuhee. Gottverdammt noch mal! Seid doch einfach mal ruhig! Man versteht ja sein eigenes Wort nicht mehr.“

Und weil das stimmte, kehrte plötzlich die Stille wieder ein, so schnell, wie der Lärm gekommen war.

„Also,“ sprach der Löwe weiter, „so geht das nicht. Ihr könnt nicht alle durcheinander sprechen! Einer nach dem anderen, oder ihr wählt einen von euch aus, der für alle sprechen kann. Dann können wir beginnen!“

Jetzt waren die Tiger an der Reihe. Einer nach dem anderen? – das war für sie unvorstellbar: wer sollte denn anfangen? Wer aufhören? Wer, wie lange reden dürfen?

Ging es bei der Reihenfolge nach Alter, oder Stärke? – Wer sollte das beantworten? Davon hatten die Tiger nämlich alle keine Ahnung! Also redeten sie weiter wild durcheinander und begannen sich dann auch prompt untereinander zu streiten, denn keiner wollte dem anderen nachgeben.

Als dann auch noch zu allem Überfluss ausgerechnet die Tigerfrauen für sich ein „eigenes Rederecht“ forderten, wurde es den Tigermännern echt zu blöd. Und plötzlich waren alle still! Niemand wollte jetzt mehr reden. Niemand wollte entscheiden. Und vor allem: niemand wollte jetzt mehr König sein! Das war dann doch eher nichts für echte Tiger! Die wollen frei und unabhängig sein.

Deshalb zogen sie völlig zerstritten von dannen. Jeder für sich …und jeder in eine andere Richtung.

So ist es gekommen, dass die Tiger auch heute noch Einzelgänger sind und man sie so selten sieht.