„Das passiert mir nicht noch einmal“ murmelte der liebe Gott zu Beginn der 10. Stunde, und meinte damit seine kleinen anfänglichen Fehlplanungen bei den Walen. „Also will ich vorsichtshalber lieber „klein“ weitermachen „ dachte er so bei sich. Dann holte er erst einmal „tief Luft“ und begann mit der Erschaffung von vielen kleinen bunten wurmähnlichen Verwandlungskünstlern, die er RAUPEN genannt hatte.

Manche von ihnen bekamen vom lieben Gott nur ein paar Beine verpasst, während andere sogar ein paare hundert, wenn nicht gar tausend Beine hatten. Es war jedenfalls plötzlich ein ganz schönes Durcheinander und ein großes „Krabbeln“ und „Trappeln“ der vielen kleinen Füßchen auf der Erde entstanden.

Eigentlich hätten sich die Raupen bei den anderen Tieren ja erst mal höflich vorstellen und sie kennenlernen sollen, aber nein: kaum waren die Raupen da, haben sie sofort begonnen, an den übrigen Tiere herum zu meckern auf sie ständig zu kritisieren.

„Hier müsste man aber wirklich alles ganz anders machen“ waren sie sich untereinander einig. „Der Elefant kann doch nicht so herumtrampeln, wie er will. Die ruinieren doch nur alles.“ schimpften sie laut!

„Und die Mäuse! Die Mäuse machen lauter Löcher in den Boden. Da kann man ja hineinfallen. So eine Unverschämtheit!!“ hörte man es von allen Seiten rufen.

„Und die Schnecken erst.“ Ertönte es weiter, „die sabbern ja alles voll. Igitt. Wie glitschig, ist das denn. Da kann man drauf ausrutschen und sich verletzen!“ und so ging es in einem fort. Nichts war den „neunmalklugen“, obergescheiten Raupen recht. Das eine war ihnen zu laut, das andere zu leise. Mal war´s zu trocken, dann wieder zu nass. Halt immer das Gegenteil davon, wie es gerade war. Und weil es so sehr viele Raupen waren, nervte die anderen Tiere das wirklich.

So konnte es nicht weitergehen! Also, musste der König eine Entscheidung herbeiführen.

Der Löwe besann sich eine Weile. Dann befahl er seinen Untertanen, eine ganze Stunde genau das zu tun, was die Raupen speziell an ihnen auszusetzen hatten. Also trampelte der Elefant noch heftiger, die Mäuse gruben noch mehr Löcher, die Schnecken produzierten noch mehr Gleitschleim – und so weiter und so fort. Der König war sich sicher, dass das den Raupen so auf die Nerven gehen würde, dass sie heilfroh sein müssten, wenn die Stunde herum und die Sache damit beendet wäre.

Und als die Stunde dann vorbei war – was glaubt ihr, was hat das genutzt? Überhaupt gar nichts hat das genutzt! Kaum war die eine Stunde herum, begann die Raupen sofort wieder mit ihren Beschwerden. Ja, sie waren nerviger, als vorher!

Jetzt wusste auch der König nicht mehr weiter und so ging er zum Strand und sang mit seinem unmelodischen Löwengeheul den Wal herbei, den er dann um Rat fragte.

„Das ist doch gar nicht so schwer“ antwortete dieser. „Du musst nur den Raupen einmal klar machen, dass sie überhaupt nicht so schlau sind, wie sie sich aufführen! Wenn du sie mit ihren eigenen Problemen konfrontierst, haben sie dann auch keine Zeit mehr, sich ständig über andere zu beschweren. Sie sind dann genug mit sich selbst beschäftigt.“

Der Löwe stutzte „und wie mach´ich das?“

„Na gut“ antwortete der Wal „ich will dir gerne noch einen Tipp geben: frage einmal die größte und stolzeste Raupe – das ist immer die mit den meisten Füßen – wie sie es überhaupt schafft, ihre 1000 Füße so schön gleichmäßig zu bewegen!!“

Damit glitt der Wal wieder zurück in sein Element, das Wasser.

Der Löwe aber wusste nun, was er zu tun hatte. Scheinbar arglos schlenderte er zu seinen Untertanen zurück. Da kam ihm auch schon eine besonders lange und große Raupe entgegen, die laut vor sich hin schimpfte:

„Hey, Löwe, du bist doch der König, oder? Dann musst du hier auch für Ordnung zu sorgen! Da draußen ist schon wieder…“

„Ja, ja, ja, ist schon gut“ unterbrach ihn der Löwe. „Ehe wir hier weiter machen, hätte ich da mal eine Frage, die mich schon lange beschäftigt und du bist sicher der einzige, der mir das erklären kann! stolz, „klar, frag mich, was du willst.“ Sagte die große Raupe, die ziemlich stolz war, dass sie dass sie sogar dem König etwas beibringen konnte. „Also, ich wollte schon lang mal wissen, wie viele Füße denn eigentlich ein so stattliches Kerlchen, wie du hat?“

„Genau 1000 „ antwortete die Raupe wie aus der Pistole geschossen.

„1000 Füße! Wirklich? Wirklich 1000 Füße?“ tat der kluge Löwe erstaunt weiter. „Aha, das ist ja wirklich toll. Und wie schaffst du es, dass du dich beim Laufen nicht verzählst? Also, ich meine, das muss doch irre kompliziert sein, so einen Fuß nach dem anderen ….und das der Reihe nach! Also, ich, ich könnte das nie im Leben!“

Jetzt wartete der Löwe gespannt auf die Antwort.

„Aber das ist doch keine Kunst!“ prüstete die Raupe sich. „Pass mal auf, das geht so: erst vorne links,“ machte er es vor. „Dann 3. Reihe rechts vorne zusammen mit der 27. Reihe hinten rechts“ zeigte er dem König stolz. „und dann….Aua, Mist, was ist denn jetzt los!!“ schrie die Raupe, die plötzlich zur Seite gekippt war und nun auf dem Rücken strampelte.

„Was soll denn der Blödsinn? Du hast mich völlig aus dem Takt gebracht!!“ blaffte die Raupe den Löwen an. „Hilf´ mir gefälligst wieder auf die Beine. Ich kann nicht mehr laufen!! Hiilfe!!“

„Ich kann dir leider nicht helfen, das musst schon du alleine tun. Ihr Raupen seid doch soo klug! Frag´ deine Verwandten. Die sollen dir gefälligst helfen!“

Und damit trollte sich der Löwe in Richtung seines schattigen Ruheplätzchens. Er hatte seine Schuldigkeit getan, denn seitdem waren die Raupen so mit sich beschäftigt, dass sie nie mehr an den anderen Tieren herumkritisierten.

Auch der liebe Gott hat sich“ halb schief gelacht „ über die komische Raupe, die noch lange Zeit Mühe hatte, geradeaus laufen zu können und immer wieder umfiel. Denn wenn eine Raupe, die gerade umgefallen war, eine andere, die noch laufen konnte, fragte, „wie man das denn macht. Mit dem Laufen“, fiel auch die Raupe um, die vorher noch laufen konnte. Und weil sie auch danach das Laufen nie so richtig gelernt haben, verwandelt der liebe Gott die Raupen nach einiger Zeit immer in wunderschöne Schmetterlinge, die prima fliegen können!